Sanftes Licht flutet in verwinkelte Gassen, in die sich die erste Kälte zwängt. Der Herbst pflückt Blätter von Bäumen und bricht Kastanien aus ihren Schalen. Besäßen die Jahreszeiten der Erde einen jeweils eigenen Titel, der Herbst wäre der König unter ihnen – prachtvoll kleidet er sich in Gold, während bunte Details sein Anmuten ergänzen.

Auch Bamberg verändert sich mit der goldenen Jahreszeit. Die Luft wird schärfer, kalt brennt sie in den Lungen, während man über die ersten gefallenen Blätter schreitet und von der Erba-Insel aus in Richtung Innenstadt spaziert. Die Keller, auf die man in Bamberg im Frühling und Sommer hinaufsteigt, haben inzwischen ihre Tore geschlossen. Stattdessen locken die Gastwirtschaften mit Gerüchen nach Braten, Bier und Köstlichkeiten. Nachdem die Sonne immer früher untergeht, stechen gelbe Lichtlanzen aus den Fensterläden und laden ein, in die Wärme und Geborgenheit der Schankstube.

Im Sommer genießt man Bamberg im Außen: auf der Erba-Insel, im Hain, flanierend durch die Sandstraße und über die unzähligen Brücken, welche die verschiedenen Teile der Stadt verbinden. Im Herbst werden diese Touren kleiner, kürzer – und intensiver. Die ersten Sträucher werden lichter und geben den Blick auf Blicke frei, die im Grün des Sommers noch versteckt geblieben sind.

Kirchtürme, Fachwerkwände, Flusswindungen enthüllen ihre ganze Pracht. Die kommt nicht überwältigend daher, reißt nicht mit, raubt nicht den Atem, sondern hüllt ein. Eine Aussicht, die den Betrachter umschmeichelt und für einen Lidschlag lang an Orten verweilen lässt, an denen er sonst vorbei geeilt wäre.

Besonders schön an Bamberg ist es, nach einem Spaziergang in der nahen Natur in eines der vielen Cafés oder Wirtshäuser zu kommen.

Klar, der Übergang zwischen Kalt und Warm, Draußen sein und Drinnen verweilen, der ist doch immer schön. Was also soll das besondere an Bamberg sein? Es ist die Verbundenheit der Menschen. In den Kneipen tönt mit jedem neuen Gast ein „Servus“ in den Raum, Nicken der Gäste gegenüber einem Fremden. Das Trinken im selben Schankraum reicht aus, um hier Verbundenheit zu schaffen. Man hat sich gefunden, in derselben Zuflucht.

In den Cafés hingegen sind Kuchen und Kaffee, dazu andere Heißgetränke nicht nur bis in den späten Mittag sondern bis in die späte Nacht erhältlich. Wärmen kann sich, wer aus der Kälte tritt und friert – nicht nur, wer sich an bestimmte Uhrzeiten hält. Es ist, als würde Bamberg sich ein kleines Stück Anarchie leisten, inmitten seiner sonst so wohl geordneten Welt, deren Häuser jeden Wandel seit dem Mittelalter überstanden haben und noch heute in alter Schönheit glänzen.
Bamberger Herbstnächte sind etwas Besonders. Draußen ist es so dunkel, dass es fast so wirkt, als würden wirbelnde Schatten alles Licht schlucken. Wenn man draußen spazieren geht, ist die Luft so kalt, dass Kälte sich wie ein Frostschwert in den Atem der Lunge schneidet. Und es fühlt sich an, wie auftauen, wenn man von dort zurück ins Warme kommt. Gern stellt man sich in solchen Momenten vor, wie die erloschene Glut noch sacht im Kamin leuchtet, im eigenen, klein-perfekten Wohnzimmer. Diese Szene, die für viele wohl ein Wunschtraum bleibt, kann Bamberg nicht all seinen Besuchern bieten. Dafür: Kachelöfen, Kerzenschein und eine Wärme von Herzen für jeden, der Gast sein will, in der Domstadt an der Regnitz.

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Foto: Ben Koch (instagram: boerni_k)

Manuel Stark

Manuel Stark

Wohnte für das Studium vier Jahre lang in Bamberg, bis zum Herbst 2016. Er wurde an der Deutschen Journalistenschule in München zum Redakteur ausgebildet und lebt als freier Journalist in Hamburg.

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