30. November 2018|Erkunden, Familie-statisch|

Bamberger Nachtwächter – Ehrenlose Wacht

Die Bamberger Nachtwächter – Sie mussten Alarm schlagen, wenn ein Feuer ausbrach, durchstreiften die Gassen Bambergs auf der Suche nach kriminellen und lichtscheuem Gesinde. Trotzdem redete man ihnen übel nach.

Jacke, Dreieckshut, Hellebarde und eine alte Sturmlaterne sind die Erkennungszeichen der Männer, die am Abend durch die Dunkelheit streifen und nach den unheimlichen Gestalten suchen, die das Licht scheuen. Bamberger Nachtwächter. Sie selbst waren Männer ohne Ehre in einem Beruf ohne Ruhm, ähnlich verrufen wie Totengräber oder Henker. Sie seien unfreundlich und verpennt, unaufmerksam und würden sowieso die ganze Zeit nur schlafen hieß es. Dabei schreibt die Bamberger Nachtwächterordnung von 1789 vor: nur besonders wachsame und aufmerksame Personen dürfen Nachtwächter werden. Woher das Vorurteil? Wer die ganze Nacht arbeitet, während die restliche Stadt schläft, den beobachten die Bürger nur dann, wenn er bei Tagesanbruch gähnend in Richtung Heim und Schlafstatt schlurft.
Heute, fast 230 Jahre später, trägt der Nachtwächter noch immer die Tracht der Tradition. Dazu eine Brille. Ekkehard Arnetzl ist der oberste Nachtwächter der Stadt Bamberg, eines Berufsstandes, der heute nicht mehr wacht und, anders als damals, auch nicht vor allem dazu gedacht ist, ausgeschiedenen Soldaten eine Arbeit zu verschaffen. Stattdessen ist er ein Stadtführer der besonderen Art. Wenn das Licht spärlich wird und die Schatten die Gassen von Bamberg beherrschen, treffen sich er und seine Kollegen vor dem Haus des Tourismus- und Kongressservice in Bamberg und warten auf die Teilnehmer. Ihnen zeigen sie während der abendlichen Stunden einen ganz eigenen Blick auf die Stadt. Die Route wechselt je nach Geschmack, Empfinden und Anzahl der Bamberger Nachtwächter, die am selben Abend unterwegs sind. Immer gleich bleibt: sie führt durch die alten Teile der Innenstadt, durch die verwinkelte Bergstadt und zum Domberg. Historie will gelehrt werden, wo Historie erlebbar ist.

Vorbei am alten Gerberviertel hin zu Rathaus Geyerswörth, Polizeiwache, von dort über die Schimmelgasse zurück zum Pfahlplätzchen und hin zum Dom geht die Führung heute. Durchwoben mit Wissen um die alte Zeit: Schimmelgasse heißt die Straße nicht des Pilzes wegen sondern wegen der teuren, weißen Pferde, die sich ihre Bewohner damals leisten konnten. Die Rufe „Hört ihr Herren lasst euch sagen, die Uhr hat elf geschlagen“, mussten die Nachtwächter nicht rufen, um die Zeit zu verkünden – in der Nacht schliefen sowieso alle – sondern um es ihren Kommandanten zu ermöglichen, ihre Pflichttreue zu kontrollieren. Wer hörte, wie viele Glockenschläge der Turm von sich gab und diese Zeit wiedergeben konnte, der hatte nicht geschlafen.

Aufgabe der Nachtwächter war es, unter anderem, auch, „Lichtscheues Gesindel“ zu arrestieren. Als „Lichtscheu“ galt jeder, der sich während der dunklen Stunden ohne Laterne durch die Stadt bewegte.

In späterer Zeit, als die ersten Polizisten in der Stadt Bamberg stationiert wurden, gab es freilich, wie in jeder Zeit des Übergangs, auch noch Überreste des Alten. Die Nachtwächter waren nicht für den Polizeidienst ausgebildet, und so nahezu nutzlos geworden in einem Amt, dessen Aufgaben nun von einer anderen Behörde erfüllt wurde. Gelöst hat die Bamberger Obrigkeit das Folgendermaßen: ein Polizist und ein Nachtwächter gingen immer zu zweit auf Patrouille. Unter den Einheimischen sorgte das für Spott: „Die Bamberger Wachtleut sind immer zu zweit, damit einer die Schellen kriegt und einer laut schreit“, hieß es damals.

Erst heute bekommen die Nachtwächter Ruhm und Ehre, das erste Mal während ihrer mehrere Jahrhunderte andauernden Geschichte stechen sie positiv heraus: als begehrte und bewanderte Führer durch die Gassen der Domstadt während der dunklen Stunden des Tages.

Was die Bamberger Nachtwächter Führung von anderen historischen Führungen unterscheidet: Witz, Humor, Spaß. Ein bisschen erinnert die Nachtwanderung durch Bamberg an die beste Form eines Schulausflugs mit dem Lieblingslehrer. Streng und bestimmt und doch so ulkig, dass man kaum aus dem Lachen kommt. Und doch etwas lernt.

Foto: FrankenTourismus Andreas Hub

Die Bamberger Nachtwächter bieten drei verschiedene Möglichkeiten von Nachtwächterführungen an.

Sarah Schmittlutz

Bamberg verbindet für mich den Flair und die Gemütlichkeit einer Kleinstadt mit dem kulturellen Angebot einer Großstadt.

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