… Am Abend leuchtet das Pflaster der Straße im Orangenen Licht der Laternen, am Tag lockt der Duft von Bier und Backwaren in Wirtschaften und Bäckereien…

Wenn von Bamberg die Rede ist, bemerke ich noch immer, dass meine Stimme einen ganz anderen Klang bekommt. Ein fränkischer Akzent schleicht sich in meine Worte. Die Stärke des Dialekts in meiner Stimme wird deutlicher, je länger das Gespräch dauert. Egal wie gut wir einen Ort kannten, früher oder später schluckt Zeit immer mehr Details, wenn die Abstände unserer Rückkehr größer, die neuen Eindrücke weniger werden. Vor beinahe zwei Jahren zog ich aus Bamberg weg – und ich weiß nicht, was ich seither von der Stadt vergessen habe. Vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Stattdessen ist es das von Bedeutung, was mir von der Stadt noch heute geblieben ist, in mir noch heute das Gefühl von Heimat weckt, was mir das Gefühl von Geborgenheit gibt, selbst in der Fremde.
Deswegen möchte ich hier vom Erinnern erzählen, von Augenblicken wie dem, als ich das erste Mal im Morgengrauen auf dem Michelsberg stand: Das erste Morgenlicht legte sich sanft und rot auf weißen Nebel, der kurz darauf vertrieben wurde von den Strahlen einer noch orangen Sonne, die sich über einen Horizont aus Fichtenwipfeln stemmt.
Ich möchte erzählen von den vielen Sonnenuntergängen auf der Kettenbrücke, als ich Frachtschiffe dabei beobachtete, wie sie Kurs auf eine Ferne mit zwei Sonnen nahmen – eine glühte orange am Himmel, die andere brannte fast gleißend als Spiegelbild vom Wasser der Regnitz.
Will beschreiben, wie das Licht am frühen Abend die Dächer von Dom und oberer Pfarre mit Gold überzieht, während der Himmel in Türkisblau leuchtet.

Das sind die Momente an die ich denke, wenn jemand mich nach meiner „Heimat“ fragt – das sind die ersten Szenen, die mir einfallen, wenn ich an Bamberg denke. Das zweite sind die Menschen, meist hilfsbereit, immer freundlich, ruppig in ihrem Dialekt, warm im Umgang miteinander wie mit Fremden.
Bamberg ist Stadt mit Status eines Weltkulturerbes, das es geschafft hat, das Alte zu bewahren ohne Staub anzusetzen. Hier öffnet der Dom seine Pforten für Pilger wie für Besucher, die das Kirchenschiff bestaunen wollen – aus kalten Hallen, umschlossen von Sandstreit tritt man nach dem Besuch heraus in die Sonne und nur einige Schritt weit über die Straße wartet der Rosengarten in dem das Leben in rot, orange, weiß und rosa blüht und grün gestrichene Bänke zum Verweilen einladen für einen Blick über die Dächer der Stadt oder hinauf zum alten Klosterbau des Michelsbergs. Am Fuße des Dombergs hingegen verläuft die Sandstraße mit ihren Kneipen, die in ihrem Design, ihrer Einrichtung und ihrem Auswahl an Getränken keinen Vergleich mit Modernität einer Großstadt fürchten müssen. Nur die Preise sind hier billiger.
Am Abend leuchtet das Pflaster der Straße im orangen Licht der Laternen, am Tag lockt der Duft von Bier und Backwaren in Wirtschaften und Bäckereien. Weiter auf dem Pflaster entlang führt der Weg fast bis in den Hain, wo ein grünes Blätterdach vor Sonne schirmt und es auf den Gehwegen oft mehr Schatten gibt als Licht. Eine Auszeit von den Gerüchen und Klängen der Stadt, eine Oase in Grün, umkränzt vom zweigeteilten Wasser eines Flusses. Danach zurück in die Stadt, zu Fachwerk, zu Kultur, zu Kunst, wo sich in der Abendsonne Studenten auf der unteren Brücke sammeln und ein Pianist Töne aus einer Bar schwingen lässt.
Bamberg, das ist nicht Urlaub, nicht Fremde, selbst für seine Besucher auf Kurzzeit nicht Gast sein. Bamberg, das ist Heimat – und wenn auch nur für einen Tag.

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Manuel Stark

Manuel Stark

Wohnte für das Studium vier Jahre lang in Bamberg, bis zum Herbst 2016. Er wurde an der Deutschen Journalistenschule in München zum Redakteur ausgebildet und lebt als freier Journalist in Hamburg.

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