Bekannt geworden ist dieser besondere Bamberger Türknauf durch E.T.A.Hoffmann. Doch als der Künstler das Apfelweibla entdeckte, war es längst eine alte Dame. Eine, die vielleicht etwas bewacht hat – und auf die später selbst aufgepasst werden musste. Eine Spurensuche.

„Wann hat E.T.A. Hoffmann denn in dem Haus mit dem berühmten Türknauf gelebt?“ Eine Frage, die Andreas Ulich häufig gestellt wird – und die er mit „gar nicht“ beantwortet. Ulich, Mitglied der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft und Hoffmann- Enthusiast, klärt dann auf: Nicht der Schriftsteller wohnte in dem Haus in der Eisgrube 14, sondern dessen Freund und späterer Verleger Carl Friedrich Kunz. Der war im Übrigen zu dem Weinhändler, und Hoffmann Weinliebhaber. Ob so manches Gläschen dazu beigetragen haben mag, dass der Türknauf in Hoffmanns „Der goldene Topf“ zum Leben erwacht?

In dem 1814 veröffentlichten Märchen stößt der Student Anselmus aus Versehen den Korb eines „alten hässlichen Weibes“ um, das ihn daraufhin als „Satanskind“ beschimpft. Als der Student später seinen ersten Arbeitstag beim Geheimen Archivarius Lindhorst beginnen will, kommt es an dessen Tür zu einer unheimlichen Begegnung: „Aber als er nun (…) den Türklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blauglühender Lichtblicke zum grinsenden Lächeln. Ach! Es war ja das Äpfelweib vom Schwarzen Tor! Die spitzigen Zähne klapperten in dem schlaffen Maule zusammen, und in dem Klappern schnarrte es (…).“

„Das ist faszinierend: Dieser Knauf sieht so putzig aus, und dann macht Hoffmann etwas so Bedrohliches draus“, merkt Andreas Ulich an. Für ihn steht das „Äpfelweib“ für Verwandlung, eine zwiegespaltene Figur. Mal tritt es als Marktfrau auf, als „alte Liesl“ oder „Runkelrübe“ – und als Türknauf. „Hoffmann hatte dieses Talent, in Dingen etwas anderes zu sehen, ohne es sich auszudenken“, sagt Ulich.

Dass das Apfelweibla den Schriftsteller inspiriert hat, hat es berühmt gemacht. Doch was war davor? Schließlich existierte der Türknauf mit dem schelmischen Lächeln schon knapp 100 Jahre vor Hoffmanns Zeit in Bamberg. „Als er das Apfelweibla anfasst, ist es schon eine alte Dame“, stellt Jost Lohmann fest. Der Archäologe und Geschäftsführer der Agil-Museumspädagogik hat ebenfalls eine besondere Beziehung zu diesem ungewöhnlichen Wesen. „Es hat etwas Pausbackiges, wie ein polierter Apfel. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bamberger es schon vor Hoffmann ,Apfelweibla‘ genannt haben.“

Apfelweibla - ein schelmisch grinsender Türknauf in Bamberg

Der originale Türknauf wird laut Lohmann auf das Jahr 1720 geschätzt, und ist wohl aus verzinntem Eisenblech. Der Abguss dagegen aus Bronze.

Doch warum gibt es überhaupt zwei „Apfelweibla“ – die Nachbildung in der Eisgrube und das Original im Historischen Museum? „Es war damals eine der ersten Maßnahmen der ,Schutzgemeinschaft Alt Bamberg‘, das Apfelweibla zu bewahren“, erklärt Jost Lohmann: Mitgliedern des 1968 gegründeten Vereins war aufgefallen, dass des nachts Türknaufe gezielt verschwanden. Dies sollte dem „Apfelweib“, wie es E.T.A. Hoffmann nennt, erspart bleiben.

Erhalten sind in Bamberg auch zahlreiche andere Verwandte des Apfelweiblas – außergewöhnliche Türknäufe, die einem nun plötzlich überall auffallen. Einer ist zum Beispiel „Otto“, wohnhaft an der Tür des Ambräusianums in der Sandstraße. Alteingesessene Bamberger wissen: Ottos Nase ist blank poliert, weil es Glück bringt, an ihr zu reiben. Das unnötige Klopfen mit dem Ring – bezeichnender Weise eine Schlange – dagegen macht den mystischen Türknauf zornig und bringt sieben Jahre Pech.

Wer wohl wütender werden kann, Otto oder das Apfelweibla? Erstgenannter ist vor allem eins: der Wächter des Hauses. „Sieht man auch das Apfelweibla in dieser Tradition der apostropäischen Figuren, dann kriegt es plötzlich ganz viele Verwandte mehr“, merkt Jost Lohmann an. Der geschichtsinteressierte Stadtführer kann sich durchaus vorstellen, dass das Wesen in der Eisgrube eine Wachfunktion eingenommen hat. Denn so freundlich der Gesichtsausdruck im ersten Moment anmuten mag, sitzt dem Apfelweibla mit seinem Grinsen doch der Schalk im Nacken. Weil es weiß, dass es richtig gruseln kann – so wie einst Hofmanns Studenten Anselmus.

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Bianca Eberle

Bianca Eberle

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Apfelweibla - ein schelmisch grinsender Türknauf in Bamberg
Apfelweibla - ein schelmisch grinsender Türknauf in Bamberg